Laut Politico hat die Zentralbank der Russischen Föderation einen unerwarteten Schritt unternommen: Sie senkte den Leitzins und revidierte gleichzeitig ihre Wachstumsprognose für 2025 nach unten. Dieser Schritt erfolgt vor dem Hintergrund steigender Inflation, verschärfter westlicher Sanktionen und sinkender Einnahmen aus dem Energiesektor – einem der zentralen Pfeiler der russischen Wirtschaft.
Sanktionsdruck und Rückgang der Öl- und Gaseinnahmen
Wie Politico berichtet, reagierte die Zentralbank auf neue US-Sanktionen gegen zwei der größten russischen Ölkonzerne – Rosneft und Lukoil. Diese Maßnahmen treffen eine entscheidende Quelle der Deviseneinnahmen: Öl und Gas machen rund ein Fünftel des russischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus.
Unter diesem Druck senkte die Zentralbank ihre Prognose und erwartet nun für 2025 nur noch ein Wirtschaftswachstum von 0,5 bis 1 Prozent, statt der zuvor geschätzten 1 bis 2 Prozent. Gleichzeitig wurde der Leitzins um 0,5 Prozentpunkte auf 16,5 Prozent gesenkt – obwohl die Inflation im kommenden Jahr voraussichtlich auf 4 bis 5 Prozent ansteigen wird.
Eine ungewöhnliche geldpolitische Entscheidung
Ökonomen weisen darauf hin, dass dies ein ungewöhnlicher Schritt ist: Normalerweise senken Zentralbanken die Zinsen, wenn die Inflation nachlässt – nicht, wenn sie steigt. Die russische Zentralbank unter der Leitung von Elvira Nabiullina steht damit vor einem schwierigen Balanceakt: Sie muss das Finanzsystem stabilisieren und zugleich die industrielle Produktion – insbesondere im Verteidigungssektor – aufrechterhalten.
Wie Politico betont, steht die russische Wirtschaft vor der doppelten Herausforderung, einerseits mit zunehmendem Sanktionsdruck umzugehen und andererseits ein hohes Niveau militärischer Produktion aufrechtzuerhalten. Niedrigere Kreditkosten sollen Unternehmen – vor allem in der Industrie und Rüstungsproduktion – dabei helfen, weiter voll auszulasten, auch wenn dies die Inflation anheizt.
Drohnenangriffe und stagnierendes Wachstum
Zusätzlichen Druck üben die ukrainischen Drohnenangriffe auf russische Ölraffinerien aus. Diese Angriffe stören die Produktion, verringern die Exportkapazitäten und verschärfen den Kraftstoffmangel im Inland – was die Preise weiter steigen lässt und die Lieferketten belastet.
Am Donnerstag räumte Herman Gref, Vorstandsvorsitzender der größten russischen Bank Sberbank, ein, dass die starke Fokussierung auf die Inflationsbekämpfung ein Fehler gewesen sei: „Wir haben zu viel Zeit damit verbracht, gegen die Inflation zu kämpfen – auf Kosten des Wirtschaftswachstums“, zitiert ihn Politico.
Langfristige Risiken und geopolitische Unsicherheit
In ihrer offiziellen Erklärung warnte die Zentralbank, dass der Inflationsdruck mittelfristig zunehmen dürfte – unter anderem aufgrund von Steuererhöhungen, Störungen im Handel und volatilen Ölpreisen.
„Die geopolitischen Spannungen bleiben ein wesentlicher Unsicherheitsfaktor“, heißt es in der Mitteilung der Bank.
Beobachter betonen, dass Russland bei anhaltender Entwicklung mit schwächerem Wachstum, einem nachgebenden Rubel und einer zunehmenden Abhängigkeit von Verteidigungsausgaben in das Jahr 2025 gehen wird. Nach Einschätzung von Politico wirkt die Zinssenkung daher weniger wie eine strategische Wende, sondern eher wie der Versuch, Zeit zu gewinnen – ein kurzfristiger Schritt, um das System trotz wachsender finanzieller und geopolitischer Belastungen am Laufen zu halten.
Dieser Artikel wurde auf Grundlage von bei Politico veröffentlichten Informationen erstellt. Der vorliegende Text stellt eine eigenständige Bearbeitung und Interpretation dar und erhebt keinen Anspruch auf die Urheberschaft der ursprünglichen Inhalte.
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