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Kuba zwischen äußerem Druck und innerer Krise

2 Min. Lesezeit
Ein kubanischer Soldat auf einem Fahrrad
Ein kubanischer Soldat auf einem Fahrrad. Foto: Ramon Espinosa / AP via Der Spiegel

Nach Einschätzung von Der Spiegel nimmt man in Havanna die Rhetorik aus Washington zunehmend ernst. Nachdem Präsident Donald Trump die Möglichkeit angedeutet hatte, Kuba „unter Kontrolle zu bringen“, sprechen Regierungsvertreter offen über das Risiko eines militärischen Szenarios.

Der stellvertretende Außenminister Carlos Fernández de Cossío vermied es in einem Gespräch mit US-Medien, seine Worte abzuschwächen: Eine militärische Aggression der USA auszuschließen, hieße, die Realität zu ignorieren. Gleichzeitig betonte er, dass Kuba keinesfalls die Rolle eines abhängigen Staates akzeptieren werde. Das Militär beschränke sich nicht auf Rhetorik — konkrete Vorbereitungen seien bereits im Gange.

Stromausfälle als Symptom tieferer Probleme

Die weitaus unmittelbarere Bedrohung für die kubanische Führung liegt jedoch im Inneren des Landes. In den vergangenen Tagen kam es zu zwei landesweiten Stromausfällen. Zwar erklärten die Behörden, das Stromnetz sei wiederhergestellt worden, doch handelt es sich eher um eine vorübergehende Stabilisierung.

Die Ursache liegt in der veralteten Infrastruktur. Der Ausfall eines Kraftwerksblocks löste einen Dominoeffekt aus und brachte das gesamte System zum Zusammenbruch. Die Behörden räumen ein, dass die Stromproduktion selbst nach der Wiederherstellung nicht ausreicht, um die Nachfrage zu decken — weitere Ausfälle sind daher wahrscheinlich.

Bruch mit Venezuela trifft empfindlichen Nerv

Die wirtschaftlichen Probleme Kubas haben sich über Jahre aufgebaut, verschärfen sich nun jedoch deutlich. Das Land hat seine regelmäßigen Öllieferungen aus Venezuela verloren — faktisch seine wichtigste Energiequelle.

Nachdem der venezolanische Präsident Nicolás Maduro unter die Kontrolle der USA geraten ist, sind die bisherigen Lieferstrukturen zusammengebrochen. Zusätzlichen Druck übt Washington aus, indem es anderen Staaten mit Sanktionen droht, sollten sie Kuba mit Öl versorgen.

Russland tritt erneut als Schlüsselakteur auf

Vor diesem Hintergrund gewinnt Russland zunehmend an Bedeutung. Der Kreml spricht vorsichtig von „möglichen Unterstützungsoptionen“, ohne konkrete Details zu nennen. Dennoch sind bereits praktische Schritte erkennbar.

Nach Angaben von Analyseplattformen befinden sich mindestens zwei Tanker mit russischem Treibstoff auf dem Weg nach Kuba — einer mit Diesel, ein weiterer mit Rohöl. Es handelt sich um Lieferungen in Höhe von Hunderttausenden Barrel, was auf ernsthafte Bemühungen hindeutet, die Versorgungslücke zu schließen.

Bemerkenswert ist dabei auch der Kontext: Diese Lieferungen erfolgen trotz bestehender Einschränkungen. Zwar haben die USA angesichts steigender Ölpreise ihre Sanktionen gegen russisches Öl teilweise gelockert, doch Lieferungen nach Kuba bleiben weiterhin politisch sensibel.

De facto entwickelt sich Moskau erneut zu einer Art „Rückversicherung“ für Havanna — in gewisser Weise eine Parallele zur Rolle während des Kalten Krieges, wenn auch unter anderen Bedingungen.

Im Spannungsfeld mehrerer Krisen

Kuba steht derzeit vor einer Vielzahl gleichzeitiger Herausforderungen:
— äußerer Druck und verschärfte Rhetorik der Vereinigten Staaten;
— ein instabiles Energiesystem;
— zunehmende wirtschaftliche Engpässe;
— sowie der Versuch, ein neues Unterstützungsnetzwerk aufzubauen, in dem Russland eine zentrale Rolle spielt.

Diese Gemengelage macht die Situation besonders fragil: Selbst ohne ein militärisches Szenario befindet sich das Land bereits in einer Phase erheblicher systemischer Spannungen.


Dieser Artikel wurde auf Grundlage von bei Der Spiegel veröffentlichten Informationen erstellt. Der vorliegende Text stellt eine eigenständige Bearbeitung und Interpretation dar und erhebt keinen Anspruch auf die Urheberschaft der ursprünglichen Inhalte.

Das Originalmaterial ist unter folgendem Link einsehbar: Der Spiegel.
Alle Rechte an den ursprünglichen Texten liegen bei Der Spiegel.

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