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Russlands Zentralbank bereitet sich auf eine vorsichtige Zinssenkung angesichts wachsender Risiken vor

2 Min. Lesezeit
Hauptsitz der Zentralbank Russlands
Hauptsitz der Zentralbank Russlands in Moskau. Fotograf: Alexander Nemenov/AFP/Getty Images via Bloomberg

Laut Bloomberg wird die Bank von Russland ihren Lockerungszyklus fortsetzen, jedoch mit Zurückhaltung angesichts anhaltender Inflationsrisiken und externer Unsicherheiten. Es wird erwartet, dass der Leitzins auf der kommenden Sitzung auf 15 % gesenkt wird, was einen weiteren Schritt zur Unterstützung einer sich abschwächenden Wirtschaft darstellt.

Die Mehrheit der befragten Ökonomen rechnet mit einer Senkung um 50 Basispunkte, während nur wenige einen vorsichtigeren Schritt auf 15,25 % erwarten. Die Zentralbank hatte zuvor erklärt, dass die nachlassende Inflation Spielraum für eine Lockerung bietet, betonte jedoch die Notwendigkeit von Vorsicht.

Nachlassende Inflation und Anzeichen einer wirtschaftlichen Abkühlung

Nach Angaben der Bank von Russland hat sich das Preiswachstum im Februar deutlich verlangsamt und nähert sich dem Zielwert von 4 %. Auf Basis der jüngsten wöchentlichen Daten ist die jährliche Inflation auf 5,8 % gesunken.

Gleichzeitig nehmen die Anzeichen wirtschaftlicher Belastung unter dem Druck hoher Zinssätze zu. Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte im Januar, und obwohl das Wirtschaftsministerium dies mit technischen Faktoren erklärte, geht die Geschäftsstimmung in nahezu allen Sektoren weiter zurück.

„Bei einem derart niedrigen Geschäftsklima befindet sich die Wirtschaft in der Regel entweder in einer Rezession oder am Rande der Stagnation“, sagte Dmitry Polevoy, Investmentdirektor bei Astra Asset Management. Seiner Einschätzung nach ist dieses Szenario im ersten Quartal eingetreten, trotz der optimistischeren Prognose der Zentralbank.

Externe Faktoren erschweren den Ausblick

Geopolitische Spannungen, insbesondere der Konflikt im Nahen Osten, sorgen für zusätzliche Unsicherheit. Einerseits stützen Störungen im Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus die globalen Rohstoffpreise, einschließlich russischer Exporte, und gleichen damit fiskalische Risiken teilweise aus.

Andererseits warnen Ökonomen vor zunehmendem Inflationsdruck auf längere Sicht. Olga Belenkaya, Analystin bei Finam, erklärte, dass der Konflikt zu höheren Transportkosten, Unterbrechungen in Lieferketten und steigenden Preisen für importierte Güter führen könne.

Wachsende Sorgen in der Wirtschaft und Forderungen nach entschlosseneren Maßnahmen

Große Unternehmen zeigen sich zunehmend besorgt über die wirtschaftliche Entwicklung. „Wir müssen uns von Illusionen verabschieden — dieser plötzliche Konflikt wird Russland nichts Gutes bringen“, sagte Oleg Deripaska. Er forderte, den Leitzins innerhalb der nächsten sechs Monate auf 6 % zu senken, um die Krise ohne größere Verluste zu überstehen.

Zentralbankchefin Elvira Nabiullina betonte jedoch wiederholt, dass die Geldpolitik weiterhin auf das Inflationsziel von 4 % ausgerichtet sei, unabhängig von geopolitischen Szenarien. Zudem warnte die Zentralbank, dass die jüngste Verlangsamung der Inflation nur vorübergehend sein könnte.

Fiskalpolitik und Rubel bleiben entscheidende Faktoren

Die Entwicklung der Staatsfinanzen wird eine zentrale Rolle für zukünftige Entscheidungen spielen. Russland überarbeitet seine Haushaltsregel, nach der Einnahmeausfälle bei Öl durch Rücklagen gedeckt werden, wenn der Exportpreis unter 59 US-Dollar pro Barrel fällt. Dieser Schwellenwert könnte gesenkt werden, was Kürzungen bei den Staatsausgaben nach sich ziehen könnte.

Gelingt es dem Finanzministerium, die Ausgaben zu begrenzen, würde dies helfen, die Inflation zu dämpfen. Andernfalls könnte sich das Tempo der Zinssenkungen verlangsamen, und die Geldpolitik würde länger restriktiv bleiben als erwartet.

Gleichzeitig hat sich der Rubel abgeschwächt. Im März verlor er rund 10 % und fiel auf etwa 84,8 pro US-Dollar — den niedrigsten Stand seit rund sechs Monaten. Steigende Inflationserwartungen erhöhen zusätzlich den Druck auf die Entscheidungen der Zentralbank.

Wie Andrey Gangan, Leiter der Abteilung für Geldpolitik, erklärte, wird eine anhaltende Schwäche des Rubels, die „erhöhte proinflationäre Risiken erzeugt“, direkten Einfluss auf das Tempo weiterer Lockerungen haben.

Balance zwischen Wachstumsförderung und Inflationskontrolle

Die Bank von Russland steht somit vor einer schwierigen Abwägung: die Wirtschaft durch Zinssenkungen zu unterstützen und gleichzeitig die Inflation unter Kontrolle zu halten. In der aktuellen Lage werden künftige geldpolitische Schritte maßgeblich von externen Entwicklungen und der Dynamik der inländischen Indikatoren abhängen.


Dieser Artikel wurde auf Grundlage von bei Bloomberg veröffentlichten Informationen erstellt. Der vorliegende Text stellt eine eigenständige Bearbeitung und Interpretation dar und erhebt keinen Anspruch auf die Urheberschaft der ursprünglichen Inhalte.

Das Originalmaterial ist unter folgendem Link einsehbar: Bloomberg.
Alle Rechte an den ursprünglichen Texten liegen bei Bloomberg.

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