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Trump: Die USA könnten vor einer Wahl stehen — Grönland oder die NATO

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Trump spricht
Auf die Frage, warum er die Kontrolle über Grönland anstrebe, antwortete US-Präsident Donald Trump: „Eigentum verschafft einem Dinge und Vorteile, die man durch die bloße Unterzeichnung eines Dokuments nicht erlangen kann.“ | Yuri Gripas/EPA via Politico

Washington signalisiert Bereitschaft, das Nachkriegsbündnis zu untergraben

US-Präsident Donald Trump hat faktisch eingeräumt, dass die Vereinigten Staaten ein Szenario in Betracht ziehen könnten, in dem das transatlantische Bündnis zugunsten einer Kontrolle über Grönland geopfert wird. In einem ausführlichen Interview mit der The New York Times erklärte Trump, Washington könne „vor einer Wahl stehen“ — zwischen dem Erwerb des strategisch wichtigen Territoriums und dem Erhalt der NATO, dem Fundament der europäischen Sicherheit seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

Auch wenn Trump eine direkte Antwort vermied, sendete allein diese Fragestellung ein deutliches Signal an die Verbündeten: Langjährige Tabus gelten nicht mehr, und das Bündnis ist für das Weiße Haus keine unantastbare Konstante mehr.

„Ich brauche kein internationales Recht“

Auf die Frage, warum er auf vollständige Kontrolle statt auf vertragliche Lösungen oder Pachtmodelle drängt, wechselte Trump von geopolitischen Argumenten zu einer offenen Zurückweisung rechtlicher Grenzen.

„Eigentum verschafft einem Dinge, die man weder mit einem Leasingvertrag noch mit einem Abkommen bekommt. Eine Unterschrift auf einem Dokument reicht dafür nicht“, sagte er.

Noch schärfer äußerte er sich zum internationalen Recht:

„Ich brauche kein internationales Recht. Das Einzige, was mich aufhalten kann, ist meine eigene Moral.“

Damit machte der US-Präsident deutlich, dass er sich weder durch Bündnisverpflichtungen noch durch internationale Normen gebunden fühlt — sondern ausschließlich durch sein eigenes Urteil.

Europa hört eine Drohung, keine Rhetorik

In Kopenhagen wurden die Aussagen wörtlich genommen. Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen warnte, ein militärisches Vorgehen gegen Grönland würde faktisch das Ende der NATO bedeuten.

„Wenn die USA ein anderes NATO-Land militärisch angreifen, dann hört alles auf — einschließlich der NATO und damit auch der Sicherheitsordnung, die seit 1945 besteht“, sagte sie.

Auch der französische Präsident Emmanuel Macron fand deutliche Worte und erklärte, Washington entferne sich zunehmend von den internationalen Regeln, die es selbst jahrzehntelang propagiert habe, und wende sich schrittweise von seinen Verbündeten ab.

Die NATO als austauschbares Instrument

Nach Einschätzung von Politico sind Trumps jüngste Aussagen kein spontaner Ausrutscher, sondern Teil einer langfristigen Linie, traditionelle Bündnisse auszuhöhlen. Der Präsident stellte erneut offen infrage, ob die NATO den USA im Ernstfall überhaupt beistehen würde.

„ICH ZWEIFLE DARAN, DASS DIE NATO FÜR UNS DA WÄRE, WENN WIR SIE WIRKLICH BRAUCHTEN“, schrieb Trump auf Truth Social, auch wenn er zugleich erklärte, die USA würden ihre Verbündeten weiterhin unterstützen.

Für viele europäische Hauptstädte klingt das weniger nach Beruhigung als nach Warnung: Die amerikanische Unterstützung ist nicht mehr selbstverständlich, sondern an Bedingungen geknüpft — und jederzeit widerrufbar.

Das Ende transatlantischer Gewissheiten

Die Schärfe von Trumps Sprache trifft den Kern des Vertrauens. Schon die bloße Andeutung, territoriale Ambitionen könnten wichtiger sein als kollektive Verteidigung, untergräbt die NATO als Wertegemeinschaft und reduziert sie auf einen zweckgebundenen Vertrag.

Europäische Analysten stellen fest, dass die USA erstmals auf dieser Ebene signalisieren, die Nachkriegsordnung nicht mehr als unantastbar zu betrachten. Und während Bedrohungen für das Bündnis früher vor allem von außen kamen, werden sie nun zunehmend aus Washington selbst formuliert.


Dieser Artikel wurde auf Grundlage von bei Politico veröffentlichten Informationen erstellt. Der vorliegende Text stellt eine eigenständige Bearbeitung und Interpretation dar und erhebt keinen Anspruch auf die Urheberschaft der ursprünglichen Inhalte.

Das Originalmaterial ist unter folgendem Link einsehbar: Politico.
Alle Rechte an den ursprünglichen Texten liegen bei Politico.

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