Kiew koordiniert seine Position mit den USA und Europa
Die Ukraine und Russland setzen ihre von den USA vermittelten Gespräche in Genf mit einem zweiten Verhandlungstag fort. Vor Beginn der neuen Runde führte Kiew separate Konsultationen mit amerikanischen und europäischen Partnern, um Positionen abzustimmen und ein gemeinsames Vorgehen zu koordinieren.
Der Sekretär des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates der Ukraine, Rustem Umerow, betonte die Bedeutung der Einheit.
„Es ist wichtig, eine gemeinsame Vision und eine Koordinierung der Maßnahmen zwischen der Ukraine, den USA und Europa aufrechtzuerhalten. Es besteht ein Verständnis für die gemeinsame Verantwortung für das Ergebnis“, schrieb er auf Telegram.
Nach Angaben Umerows nahmen Vertreter der USA, Frankreichs, Großbritanniens, Deutschlands, Italiens und der Schweiz an den Konsultationen teil. Dieses Format gilt als Versuch, den europäischen Einfluss in einem Prozess zu stärken, der bislang weitgehend von der Regierung von US-Präsident Donald Trump geprägt war.
Rolle Washingtons und vorsichtiger Optimismus
Die US-Delegation in Genf umfasst den Sondergesandten Steve Witkoff sowie Jared Kushner, die bereits an früheren Gesprächsrunden in den Vereinigten Arabischen Emiraten seit Januar beteiligt waren.
Nach dem ersten Verhandlungstag in Genf sprach Witkoff von „bedeutsamen Fortschritten“ und erklärte, beide Seiten hätten sich darauf verständigt, weiter auf eine Einigung hinzuarbeiten. Dennoch bleiben Umfang und Substanz dieser Fortschritte unklar, ebenso wie die Frage, wie weit konkrete Zusagen tatsächlich reichen.
Nach Einschätzung von Bloomberg könnte die stärkere Einbindung europäischer Partner darauf abzielen, dem Prozess zusätzliche politische Legitimität zu verleihen und die Koordinierung innerhalb des westlichen Bündnisses zu vertiefen.
Territorialfragen bleiben zentraler Streitpunkt
Der Kernkonflikt betrifft weiterhin die territorialen Forderungen Moskaus. Präsident Wladimir Putin drängt darauf, dass die Ukraine Gebiete in der östlichen Region Donezk abtritt, die Russland trotz der seit 2014 andauernden Kämpfe nicht vollständig unter Kontrolle bringen konnte.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, er habe seine Unterhändler angewiesen, die Zukunft des Kernkraftwerks Saporischschja zu thematisieren, das zu Beginn der groß angelegten Invasion von russischen Truppen besetzt wurde. Zudem solle über Moskaus Forderungen nach Gebieten gesprochen werden, die Russland derzeit nicht kontrolliert.
In einem separaten Interview mit Axios betonte Selenskyj, die ukrainische Bevölkerung würde einen einseitigen Rückzug und die Abtretung von Land an Russland ablehnen.
Das Kernkraftwerk Saporischschja als möglicher Bestandteil eines Abkommens
US-Vertreter hatten zuvor erklärt, dass Regelungen zur Aufteilung der Stromproduktion des Kernkraftwerks Saporischschja — des größten Atomkraftwerks Europas — ein zentraler Bestandteil einer möglichen Vereinbarung sein könnten.
Der Status der Anlage, ihre Sicherheit sowie die Verteilung der von ihr erzeugten Energie zählen zu den sensibelsten Fragen am Verhandlungstisch.
Veränderungen in der russischen Delegation
Die russische Delegation in Genf wird vom Präsidentenberater Wladimir Medinski geleitet, der bereits 2022 sowie im vergangenen Jahr an Gesprächen mit der Ukraine in Istanbul beteiligt war. An den Runden in Abu Dhabi nahm er hingegen nicht teil.
Selenskyj erklärte, Russland habe sein Verhandlungsteam „leicht verändert“, was Kiew überrascht habe. Die ukrainische Seite wolle nun beobachten, wie sich diese Änderungen auf den Verlauf der Gespräche auswirken.
Der Kreml-Gesandte Kirill Dmitrijew hält sich ebenfalls in Genf auf, um Gespräche über wirtschaftliche Zusammenarbeit mit den USA zu führen, wird jedoch nicht an den trilateralen Verhandlungen mit der Ukraine teilnehmen, wie zuvor berichtet wurde.
Wie geht es weiter?
Die Gespräche in Genf zeigen den Versuch, den politischen Rahmen der Verhandlungen zu erweitern und die europäische Beteiligung sichtbarer zu machen. Gleichwohl bleiben die grundlegenden Differenzen — insbesondere in territorialen Fragen — bestehen, und die Positionen liegen weiterhin weit auseinander.
Nach Ansicht von Bloomberg wird die weitere Dynamik davon abhängen, ob beide Seiten zu praktischen Kompromissen bereit sind oder ob der Prozess erneut in eine Phase langwieriger diplomatischer Stagnation übergeht.
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