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Zwei Frauen, ein Trump: Warum er sich niemals für Machado entscheiden wird

3 Min. Lesezeit
Trump to choose
Oppositionspolitiker Machado (links), Maduro-Verbündeter Delcy Rodriguez. Collage @Briefly

Ideal und Instrument – ein Gegensatz, der alles entscheidet

Die venezolanische Krise hat nicht nur die Schwächen der Opposition offengelegt, sondern auch den extremen Zynismus der amerikanischen Politik. Folgt man der Interpretation von Der Spiegel, hat US-Präsident Donald Trump seine innere Entscheidung bereits getroffen – und für María Corina Machado ist darin kein Platz.

Es geht nicht um Legitimität, nicht um einen Streit über Wahlen und nicht einmal um Ideologie. Es geht um Macht, Kontrolle und persönliche Haltung. Machado ist für Trump zu laut, zu unabhängig, zu „moralisch“. Und was noch wichtiger ist: Sie erlaubte sich den Luxus, ein Symbol zu sein – und kein Untergebener.

María Corina Machado: Zu sauber für einen schmutzigen Deal

María Corina Machado ist Nobelpreisträgerin, Ikone des Widerstands gegen das Regime von Nicolás Maduro, eine Figur, die sich auf Gerechtigkeit, Rechtsprechung und historische Verantwortung beruft. Sie sprach offen über künftige Prozesse gegen Vertreter des Regimes, über Strafen für Korruption und Repression.

Nach Ansicht von Der Spiegel verläuft genau hier Trumps rote Linie. Ein solches Programm ist mit einem „gelenkten Übergang“ unvereinbar. Es bedroht die Eliten, das Militär und die Sicherheitsdienste – und damit jene Stabilität, an der die USA verdienen wollen.

Darüber hinaus beging Machado einen fatalen politischen Fehler: Sie stellte sich auf eine Stufe mit Trump. Der Nobelpreis, den sie symbolisch mit ihm verknüpfte, war für ihn kein Geschenk, sondern eine Erinnerung daran, dass ihr moralisches Kapital größer ist als sein eigenes. Für einen Mann, der Politik als Hierarchie der Loyalität begreift, kommt das einer persönlichen Kränkung gleich.

Trump und Rache, getarnt als Pragmatismus

In Mar-a-Lago zeigte sich Trump, wie Der Spiegel schreibt, demonstrativ kühl. Er nannte Machado eine „sympathische Frau“, fügte jedoch sofort hinzu, sie verfüge angeblich nicht über genügend Unterstützung und Respekt, um Venezuela zu führen. Die Formulierung war herabsetzend – und äußerst aufschlussreich.

Das war keine Analyse, sondern ein Urteil. Im Kern machte Trump öffentlich klar: Du warst nützlich, solange du ein Symbol warst. Jetzt bist du ein Hindernis.

In diesem Kontext wirkt die Abkehr von Machado nicht nur pragmatisch, sondern beinahe spöttisch. Ein Mann, der an bedingungslose Loyalität gewöhnt ist, duldet keine Figuren, die Anspruch auf eine eigene historische Rolle erheben könnten.

Das Gegenbild zu Machado: Warum Rodríguez bequemer ist

Am anderen Pol steht Delcy Rodríguez. Keine Heldin. Kein Symbol. Keine Ikone. Eine Frau des Systems. Nach Einschätzung von Der Spiegel ist es genau das, was sie für Washington potenziell akzeptabel macht – nicht als offiziell anerkannte Präsidentin, sondern als mögliche Übergangsfigur, mit der sich arbeiten lässt.

Rodríguez spricht nicht von Gerichtsprozessen. Sie kennt den Machtapparat, kann mit wirtschaftlichen Akteuren verhandeln und hat bereits begrenzte marktwirtschaftliche Reformen unter Sanktionsbedingungen begleitet. Sie bedroht die Eliten nicht – sie ist Teil von ihnen. Und genau deshalb, so Der Spiegel, taucht ihr Name in amerikanischen Kalkulationen auf.

Es ist wichtig zu betonen: Es geht nicht um eine Anerkennung Rodríguez’ als Präsidentin oder um die Behauptung, sie habe eine Wahl „gewonnen“. Es handelt sich um eine Hypothese darüber, wen Trump als bequemen Partner betrachten würde, wenn er ohne Rücksicht auf demokratische Bekenntnisse entscheiden könnte.

Offizielle Formeln sind das eine – reale Logik etwas anderes

Öffentlich wies Rodríguez jede Andeutung eines solchen Szenarios zurück und erklärte, Venezuela habe nur einen Präsidenten – Nicolás Maduro. Formal bleibt damit alles beim Alten. Doch wie Der Spiegel anmerkt, müssen öffentliche Rhetorik und die tatsächlichen Erwartungen Washingtons nicht übereinstimmen.

Für Trump zählen Öl, die Sicherheit von Investoren und das Ausbleiben von Chaos. Und aus dieser Perspektive ist Machado gefährlich – Rodríguez hingegen berechenbar.

Die Wahl gilt nicht den Frauen, sondern den Rollen

Am Ende ist dies keine Geschichte über zwei Frauen, sondern eine darüber, wen Trump an seiner Seite zu dulden bereit ist. Machado – unabhängig, moralisch stark und öffentlich präsent – wird niemals seine Wahl sein. Zu viel an ihr entzieht sich der Kontrolle.

Und wenn Der Spiegel recht hat, ist genau das der Grund, warum sie in amerikanischen Kalkulationen abgeschrieben wurde – nicht wegen der Wahlen, nicht wegen mangelnder Unterstützung, sondern weil Donald Trump jenen nicht verzeiht, die es wagen, mehr zu sein als ein bloßes, bequemes Instrument.


Dieser Artikel wurde auf Grundlage von bei Der Spiegel veröffentlichten Informationen erstellt. Der vorliegende Text stellt eine eigenständige Bearbeitung und Interpretation dar und erhebt keinen Anspruch auf die Urheberschaft der ursprünglichen Inhalte.

Das Originalmaterial ist unter folgendem Link einsehbar: Der Spiegel.
Alle Rechte an den ursprünglichen Texten liegen bei Der Spiegel.

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