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Arbeitsbelastung russischer Lehrer nimmt weiter zu

2 Min. Lesezeit
school teacher
Photo: Vladimir Smirnov / TASS

Die Belastung russischer Lehrer wächst weiter — und könnte in den kommenden Monaten noch stärker steigen. Die Gründe liegen nicht nur im Personalmangel und in der chronischen Unterfinanzierung des Bildungssystems. Hinzu kommen zusätzliche Aufgaben im Zusammenhang mit ideologischer Arbeit und bevorstehenden Wahlen.

Mehr Arbeit, weniger Ressourcen

Nach Angaben des Zentrums für die Ökonomie der Weiterbildung an der RANEPA ist die durchschnittliche Arbeitsbelastung pro Lehrer in den vergangenen neun Jahren deutlich gestiegen. Im Jahr 2016 arbeitete ein Lehrer im Schnitt mit einem Faktor von 1,31 Vollzeitstellen, bis 2025 ist dieser Wert auf 1,56 gestiegen. Besonders betroffen sind Lehrer für Mathematik (1,74), Russisch und Literatur (1,62) sowie Werken/Technik (1,6). Gleichzeitig übernehmen rund 70 % der Lehrer zusätzlich die Funktion eines Klassenleiters.

Trotz steigender Absolventenzahlen an pädagogischen Hochschulen bleibt der Personalmangel bestehen. Der Anteil junger Lehrer ist weiterhin niedrig und liegt je nach Fach zwischen 7 % und 12 %.

Staatliche Maßnahmen zeigen begrenzte Wirkung

Die Behörden erkennen das Problem an, doch die bisher ergriffenen Maßnahmen zeigen kaum spürbare Wirkung. Seit März 2024 wurden die Zulagen für Klassenleitungen erhöht, und seit September gibt es eine bundesweite Zusatzvergütung von 5.000 Rubel für stellvertretende Schulleiter im Bereich Erziehung. Zudem wurde eine Reduzierung der bürokratischen Belastung angekündigt.

In mehreren Regionen wurden Pilotprojekte für ein neues Vergütungssystem gestartet. Bis zum Schuljahr 2026–2027 soll der Anteil des festen Grundgehalts auf 70 % steigen, während leistungsabhängige Zuschläge auf 30 % begrenzt werden. Erwartet wird, dass dadurch die realen Einkommen der Lehrer um 10 bis 15 % steigen könnten.

Dennoch wächst die Unzufriedenheit unter Lehrern weiter. Einige bezeichnen dies als ein „aufgeschobenes Problem“, das sich später deutlicher zeigen könnte.

Nachfrage verändert sich schneller als das System

Ein weiterer Faktor für den Personalmangel ist die veränderte Nachfrage von Schülern und Eltern. Immer mehr Oberstufenschüler entscheiden sich für spezialisierte Klassen zur Vorbereitung auf ein Studium, doch viele Schulen können das erforderliche Niveau nicht gewährleisten. Hauptgrund ist der Mangel an Lehrern für Mathematik und Informatik. Gleichzeitig sind die Klassengrößen in den letzten Jahren auf 30 bis 40 Schüler gestiegen.

Zusätzlicher politischer Druck seit 2022

Seit Februar 2022 hat sich die Situation weiter verschärft. Lehrer übernehmen zusätzliche ideologische Aufgaben, während Gehaltssteigerungen vor allem über Zulagen und nicht über höhere Grundgehälter erfolgen. Nach Angaben von Quellen gehen Versuche, die Arbeitsbelastung zu reduzieren, oft mit einer Verschlechterung der Unterrichtsqualität einher.

Auch Wahlen stellen einen zusätzlichen Druckfaktor dar. Während Wahlkampagnen werden Lehrer aktiv in die Mobilisierung von Wählern einbezogen, insbesondere in die Arbeit mit Eltern.

Vom Unterricht zur Förderung von Loyalität

Insgesamt hat sich die Rolle der Lehrer in der staatlichen Politik deutlich verändert. Von ihnen wird nicht nur Unterricht erwartet, sondern auch die Mitwirkung bei der Förderung von „Loyalität“, einschließlich der Vermittlung offizieller Ideologie und sogenannter traditioneller Werte. Gleichzeitig bleibt das Lohnniveau niedrig, insbesondere in den meisten Regionen.

Es gibt Ausnahmen — wohlhabendere Regionen wie Moskau oder der Autonome Kreis der Chanten und Mansen verfügen über die Mittel, Personal anzuziehen. Im übrigen Land hingegen kämpfen Schulen mit chronischem Personalmangel. Schätzungen zufolge leiden 80 % bis 85 % der Bildungseinrichtungen unter Lehrermangel.

Personalmangel wird durch Überlastung kaschiert

Die bestehende Praxis verdeckt das Problem teilweise. Viele Lehrer arbeiten mit 1,5 bis 2 Stellen, was es den Behörden ermöglicht, „hohe“ Durchschnittsgehälter zu melden und die Erfüllung staatlicher Zielvorgaben zu demonstrieren. Tatsächlich bedeutet dies jedoch lediglich eine weitere Erhöhung der Belastung für diejenigen, die im System verbleiben.

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