Der europäische Luftverkehr steht vor einer wachsenden Gefahr von Kerosinengpässen. Laut der Financial Times, die sich auf Branchenquellen beruft, könnte die EU innerhalb der nächsten drei Wochen mit einem „systemischen“ Mangel an Flugtreibstoff konfrontiert werden, falls die Störungen in der Straße von Hormus anhalten.
Die ACI Europe, die die Flughäfen der EU vertritt, warnt, dass die Treibstoffreserven rasch schwinden. Zusätzlichen Druck übt „die Auswirkung militärischer Aktivitäten auf die Nachfrage“ aus, was das ohnehin angespannte Gleichgewicht weiter belastet.
In einem Schreiben an den EU-Verkehrskommissar Apostolos Tzitzikostas äußerte die Branche „zunehmende Sorgen über die Verfügbarkeit von Flugtreibstoff“ und forderte dringende Maßnahmen aus Brüssel. „Wenn der Transit durch die Straße von Hormus nicht innerhalb der nächsten drei Wochen in nennenswertem und stabilem Umfang wieder aufgenommen wird, wird ein systemischer Kerosinmangel in der EU Realität“, heißt es in dem Schreiben.
Steigende Preise und erste Einschränkungen verändern bereits den Markt
Die Lage wird zusätzlich durch die bevorstehende Sommersaison verschärft — eine entscheidende Phase für die stark vom Tourismus abhängigen europäischen Volkswirtschaften. Der Luftverkehr ist ein zentraler Bestandteil ganzer Branchen, sodass jede Störung weitreichende wirtschaftliche Folgen haben kann.
Während Europa bislang noch keine flächendeckenden Engpässe erlebt hat — anders als einige asiatische Länder wie Vietnam — sind die Treibstoffpreise stark gestiegen. Nach Angaben von Argus Media liegen die Preise für Flugtreibstoff in Nordwesteuropa inzwischen bei rund 1.573 US-Dollar pro Tonne, gegenüber etwa 750 US-Dollar vor Beginn des Konflikts.
Fluggesellschaften geben an, noch über ausreichende Vorräte für mehrere Wochen zu verfügen, doch Lieferanten können stabile Lieferungen bis in den Mai hinein nicht mehr garantieren. Erste Anzeichen von Störungen sind bereits sichtbar: Am vergangenen Wochenende führten vier italienische Flughäfen nach Problemen bei einem wichtigen Lieferanten Einschränkungen beim Treibstoff ein.
Branchenexperten warnen, dass bereits kurzfristige Lieferunterbrechungen das gesamte System erheblich beeinträchtigen könnten. „Ein Versorgungsengpass würde den Flughafenbetrieb und die Luftverkehrsanbindung erheblich stören“, erklärte ACI Europe und verwies auf das Risiko schwerwiegender wirtschaftlicher Folgen für Regionen und die EU insgesamt.
Die steigenden Treibstoffkosten zwingen Fluggesellschaften bereits zu Anpassungen. Einige Strecken werden unrentabel, was zu Flugstreichungen führt. Delta Air Lines kündigte beispielsweise eine Kapazitätsreduzierung um 3,5 % an und rechnet im zweiten Quartal mit zusätzlichen Treibstoffkosten von 2 Milliarden US-Dollar. Ähnliche Maßnahmen ergreifen Air New Zealand sowie LOT Polish Airlines, die bereits eine Erhöhung der Ticketpreise vorbereitet.
Branchenvertreter betonen, dass ein zentrales Problem das Fehlen eines einheitlichen EU-weiten Systems zur Überwachung der Treibstoffversorgung ist. Ohne Koordination und Transparenz könnte die Situation schnell außer Kontrolle geraten — insbesondere, wenn die Störungen in der Straße von Hormus anhalten.
Dieser Artikel wurde auf Grundlage von bei The Financial Times veröffentlichten Informationen erstellt. Der vorliegende Text stellt eine eigenständige Bearbeitung und Interpretation dar und erhebt keinen Anspruch auf die Urheberschaft der ursprünglichen Inhalte.
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