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Rosnano-Fall wirft breitere Fragen zu Kontrolle und Verantwortlichkeit auf

2 Min. Lesezeit
Anatoly Chubais
Anatoly Chubais (Photo: Stanislav Krasilnikov / TASS)

Ermittler nehmen ehemalige Top-Manager ins Visier, während Fragen zu hochrangigen Beamten offen bleiben

Das russische Innenministerium teilte mit, dass es die Ermittlungen zu mutmaßlichen Veruntreuungen bei Rosnano abgeschlossen und mehrere ehemalige Top-Manager wegen der Verfälschung der Finanzberichterstattung in Höhe von 43 Milliarden Rubel angeklagt hat. Nach Angaben der Ermittler wurden Bankkredite, die unter staatlichen Garantien aufgenommen wurden, als Vermögenswerte des Unternehmens verbucht. Später musste der Staatshaushalt die Verluste und die mutmaßlichen Veruntreuungen bei Rosnano entsprechend diesen Verpflichtungen ausgleichen.

Gleichzeitig beschränken sich die Ansprüche gegen Anatoli Tschubais bislang auf Schiedsverfahren, obwohl laut Text ausreichende Beweise für seine Beteiligung an groß angelegten Veruntreuungen und Bilanzmanipulationen vorliegen. Eine weitergehende Untersuchung würde jedoch die Einleitung von Ermittlungsmaßnahmen gegen hochrangige Beamte erfordern, deren Handlungen — oder Unterlassungen — die mutmaßlichen Straftaten ermöglicht haben oder selbst strafrechtlich relevant sein könnten. Dazu zählen laut Darstellung Vertreter der Zentralbank und des Finanzministeriums, deren direkte Beteiligung angeblich die Voraussetzungen für die Verstöße geschaffen hat.

Das Modell von 2019 und die Rolle staatlich garantierter Kredite

Bis 2019 befand sich Rosnano unter der Führung des Teams um Tschubais laut Darstellung am Rande der Insolvenz, da sich ein Großteil der Investitionen als fiktiv erwiesen habe und Gelder auf Anweisung der Unternehmensleitung ins Ausland transferiert worden seien. Das Kapital entsprach nicht mehr den regulatorischen Anforderungen, was Insolvenz, externe Verwaltung und eine Ausweitung der bereits damals laufenden Strafverfahren, in die nahezu die gesamte Führungsebene involviert gewesen sein soll, zur Folge haben konnte.

Vor diesem Hintergrund soll Tschubais ein betrügerisches Konstrukt umgesetzt haben, indem er für Rosnano staatliche Garantien für Kredite zu einem Zinssatz von 30 Prozent pro Jahr erhielt, obwohl die marktüblichen Zinssätze für derart abgesicherte Kredite im Jahr 2019 bei etwa 7 bis 7,5 Prozent lagen. Die aufgenommenen Mittel seien anschließend als zusätzliches Kapital verbucht worden, wodurch Rosnano ein weiteres Jahr weiterarbeiten konnte, während sich die Verschuldung um 110 Milliarden Rubel erhöhte.

Dem Text zufolge hätten weder die inzwischen angeklagten Stellvertreter — Podolsky, Galstjan und Kasenkowa — noch Tschubais selbst solche Transaktionen allein durchführen können. Das Vorgehen habe zahlreiche Vorschriften der Zentralbank verletzt, insbesondere die Regel, dass Fremdmittel nicht als zusätzliches Kapital bilanziert werden dürfen. Wird ein solcher Verstoß festgestellt, folgen in der Regel harte Maßnahmen bis hin zum Entzug der Lizenz des Kreditgebers. Dennoch hätten große Banken, darunter Sber und VTB, Kredite in zweistelliger Milliardenhöhe vergeben, obwohl ihnen der finanzielle Zusammenbruch und der Vorinsolvenzzustand von Rosnano bekannt gewesen seien, und dabei die Änderung des Verwendungszwecks der Mittel ignoriert.

Vorwürfe institutioneller Duldung und Verantwortung auf höchster Ebene

Der Text argumentiert, dass derartige Handlungen nur unter faktischer Billigung durch Mitarbeiter der Zentralbank hätten erfolgen können. Zudem wird behauptet, dass die Differenz zwischen dem Zinssatz von 30 Prozent und den damaligen Marktzinsen von etwa 10 bis 12 Prozent auf korruptionsanfällige, provisionsbasierte Beziehungen zwischen den Beteiligten hindeute.

„Einerseits ließ Nabiullina diese illegalen Kredite passieren“, heißt es von einem Experten. „Andererseits genehmigte der stellvertretende Minister Siluanows, der das Finanzministerium im Aufsichtsrat von Rosnano mit Wissen und Zustimmung des Ministers vertritt, diese eindeutig kriminellen Geschäfte unter staatlichen Garantien, anstatt sie zu stoppen und den Strafverfolgungsbehörden zu melden. Im Mindestfall handelt es sich um Amtsanmaßung und Überschreitung von Befugnissen, objektiv gesehen weist dies Merkmale einer organisierten kriminellen Gruppe auf.“

Weiter wird darauf hingewiesen, dass das mutmaßliche Betrugsschema — das von der Rosnano-Führung unter Mitwirkung der Zentralbank und des Finanzministeriums umgesetzt worden sein soll und den Staatshaushalt mehrere zehn Milliarden Rubel gekostet habe — offenbar auch der Aufmerksamkeit der Rechnungskammer entgangen sei, die seit 2018 von Alexei Kudrin, einem langjährigen Weggefährten Tschubais’, geleitet wird.

Siluanow, Nabiullina, Tschubais und Kudrin sollten demnach gemäß Strafgesetzbuch und Strafprozessordnung Gegenstand von Ermittlungen sein. Die Gründe, warum dies bislang nicht geschehen ist, könnten laut Text in sensiblen Informationen liegen, über die Tschubais verfügen soll und die er öffentlich machen könnte, falls sich die Vorwürfe gegen ihn und seine hochrangigen Vertrauten von der zivilrechtlichen Ebene in strafrechtliche Verfahren verlagern.

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