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Russland profitiert von der Düngemittelkrise im Zuge des Iran-Krieges

2 Min. Lesezeit
Düngemittelmarkt
Russlands Dominanz auf dem globalen Düngemittelmarkt übertrifft sogar seine Position auf den Öl- und Gasmärkten © Andrey Rudakov/Bloomberg via The Financial Times

Der Konflikt rund um Iran hat den globalen Düngemittelmarkt unerwartet verändert. Während die Länder am Persischen Golf mit Produktions- und Logistikproblemen zu kämpfen haben, befindet sich Russland in einer günstigeren Position — und baut seinen Einfluss schrittweise aus.

Der Hauptschlag traf die Lieferwege durch die Straße von Hormus. Für die Region ist sie eine kritische Verkehrsader: Ein erheblicher Teil der Düngemittelexporte läuft über diese Route. Die Störungen wirkten sich sofort auf die Preise aus — Harnstoff, ein wichtiger globaler Referenzwert, ist um mehr als 40 % gestiegen und liegt nun über 670 US-Dollar pro Tonne.

Vor diesem Hintergrund erscheint Russland, dessen Lieferungen nicht von Hormus abhängen, als zuverlässigerer Anbieter. Wie der Leiter von SovEcon, Andrey Sizov, betonte: „Russland ist einer der Hauptprofiteure, denn es geht nicht nur um Öl und Gas, sondern auch um Düngemittel.“ Seinen Worten zufolge steigen die Preise entlang der gesamten Agrarkette, während Russland über beträchtliche Reserven verfügt.

Europa steht erneut vor einer Entscheidung

Der Preisanstieg ist in Europa schnell spürbar geworden. Die nach Beginn des Krieges in der Ukraine verhängten Beschränkungen für russische Düngemittel haben die Liefermengen bereits reduziert. Vor dem Hintergrund zunehmender Knappheit innerhalb der EU werden die Debatten darüber intensiver, ob der harte Kurs beibehalten oder die Einschränkungen gelockert werden sollten.

In Budapest wird die Frage offen gestellt. Der ungarische Landwirtschaftsminister István Nagy warnte die Europäische Kommission, dass ein eingeschränkter Zugang zu günstigeren Düngemitteln zu geringeren Erträgen und steigenden Lebensmittelpreisen führen könnte. Besonders betroffen sind Länder, die auf Importe von Phosphor und Kali angewiesen sind.

Russland stärkt seine Position — jedoch nicht ohne Grenzen

Russland nimmt bereits eine starke Stellung auf dem Weltmarkt ein: fast ein Viertel der Ammoniakexporte, ein bedeutender Anteil am Harnstoffhandel und — gemeinsam mit Belarus — eine dominierende Rolle im Kalimarkt. Die aktuelle Krise verstärkt diese Position zusätzlich.

Dennoch kann Russland die Ausfälle aus dem Nahen Osten nicht vollständig kompensieren. Selbst bei steigender Produktion wird sein Anteil am globalen Harnstoffhandel auf etwa 15–16 % geschätzt, während die Golfstaaten rund ein Drittel des Angebots stellen.

Zudem sind die Wachstumsmöglichkeiten begrenzt: Die Anlagen arbeiten bereits nahe an ihrer Kapazitätsgrenze, und ein Teil der Produktion ist an militärische Bedürfnisse gebunden. Hinzu kommen Risiken durch Angriffe auf die Infrastruktur.

Düngemittel als geopolitisches Instrument

Gleichzeitig nutzt Moskau die Situation zunehmend aktiv. Der vorübergehende Stopp der Ammoniumnitrat-Exporte für den Inlandsmarkt hat gezeigt, dass Russland flexibel in das Angebot eingreifen und Preise beeinflussen kann.

Im Kreml wird dies als Teil eines größeren Trends gesehen. Kirill Dmitrijew, Sonderbeauftragter für wirtschaftliche Zusammenarbeit, erklärte, die Welt trete in eine „Ära extremer Knappheit“ ein, in der Russlands Rolle als Lieferant weiter wachsen werde. „Mit dem Zerfall globaler Lieferketten werden selbst Russlands Gegner seine Bedeutung stärker erkennen“, so Dmitrijew.

Hinwendung zum globalen Süden

Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung in Asien und Afrika. Für viele Länder dort ist das Thema Düngemittel keine geopolitische Frage, sondern eine Frage von Ernte und Ernährungssicherheit. Wie die Analystin Alexandra Prokopenko bemerkte: „Ein Beamter aus einem asiatischen oder afrikanischen Land, der dringend Harnstoff vor der Monsunzeit benötigt, diskutiert nicht über die Ukraine — er ruft im Kreml an.“

Hier gewinnt Russland zusätzlichen Einfluss. Die Fähigkeit, in einem instabilen Markt verlässliche Lieferungen sicherzustellen, wird zu politischem Kapital.

Eine Krise, die Moskau in die Hände spielt

Während der Westen über Sanktionen und Beschränkungen diskutiert, beginnt die Marktlogik selbst zugunsten Russlands zu wirken. Lieferunterbrechungen, steigende Preise und Importabhängigkeit erhöhen den Wert jener, die Stabilität bieten können.

Damit erhält Moskau die Chance, wirtschaftliche Vorteile in geopolitischen Einfluss umzuwandeln. Auch wenn seine Möglichkeiten begrenzt sind, zeigt die aktuelle Krise: In Zeiten globaler Unsicherheit kann die Rolle eines verlässlichen Lieferanten grundlegender Ressourcen wichtiger sein als politische Erklärungen.


Dieser Artikel wurde auf Grundlage von bei The Financial Times veröffentlichten Informationen erstellt. Der vorliegende Text stellt eine eigenständige Bearbeitung und Interpretation dar und erhebt keinen Anspruch auf die Urheberschaft der ursprünglichen Inhalte.

Das Originalmaterial ist unter folgendem Link einsehbar: The Financial Times.
Alle Rechte an den ursprünglichen Texten liegen bei The Financial Times.

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