Die russische Industrie zeigte im Februar erneut Anzeichen einer Abschwächung: Immer mehr Unternehmen planen wieder Produktionskürzungen statt Ausweitungen. Darauf deuten Monitoring-Daten des Instituts für Volkswirtschaftliche Prognosen der Russischen Akademie der Wissenschaften (INEF RAS) hin, auf die die Nesawisimaja Gaseta aufmerksam machte.
Januardaten verschlechterten sich – und die Erwartungen folgten
Der Rückgang der Produktionserwartungen folgte auf schwächere amtliche Zahlen für Januar. Nach Angaben von Rosstat ging die Industrieproduktion im Januar im Jahresvergleich um 0,8 % zurück, nachdem sie im Dezember 2025 noch um 3,7 % gewachsen war. Besonders deutlich fiel die Schwäche im verarbeitenden Gewerbe aus: minus 3 % gegenüber dem Vorjahr, nach fast 8 % Wachstum im Vormonat.
Das Wirtschaftsministerium führte die Trendwende auf einen Kalendereffekt zurück: Im Januar 2026 gab es zwei Arbeitstage weniger als im Vorjahr. Analysten des Zentrums für makroökonomische Analyse und Kurzfristprognosen (CMASF) halten dagegen, dass der Anstieg im Dezember keine nachhaltige Verbesserung der Konjunktur widerspiegelte. Ihrer Einschätzung nach beruhte der positive Impuls der letzten Monate vor allem auf Sektoren mit hohem Anteil an rüstungsnaher Produktion, während die zivile Produktion seit dem zweiten Quartal 2025 stagniert – nach einem Rückgang im ersten Quartal.
Sinkende Profitabilität erhöht Investitions- und Inflationsrisiken
Ein weiterer Belastungsfaktor ist die sinkende Rentabilität. Nach Schätzungen des CMASF näherte sich die Profitabilität in den ersten drei Quartalen 2025 den Tiefständen der Pandemiezeit. Die Lücke zwischen Rentabilität und Fremdkapitalkosten erreichte im zweiten Quartal Rekordwerte und verringerte sich im dritten Quartal nur geringfügig.
In den meisten verarbeitenden Branchen liegt die Rentabilität entweder deutlich unter der Rendite von russischen Staatsanleihen (OFZ) oder bewegt sich in etwa auf vergleichbarem Niveau. Am schwierigsten ist die Lage demnach in der Holzverarbeitung, im Transportmaschinenbau und in der Baustoffproduktion. Grenzwerte zeigen sich im Maschinenbau (ohne Transport) und in der Metallurgie. Ausnahmen bleiben verbrauchernahe Branchen – darunter die Lebensmittelindustrie – sowie die Chemie, wo die Renditen weiterhin über der risikofreien Alternative liegen.
Die sinkende Profitabilität bremst die Investitionsaktivität der Unternehmen und begrenzt die Ausweitung des Angebots. Mittelfristig kann dies zusätzliche inflationäre Risiken schaffen, warnen Analysten.


