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Schwarze Rekrutierer: Wie der Handel mit Soldaten Menschen zu einer Ware für die Front macht

3 Min. Lesezeit
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Foto: Sergey Kiselev / AGN Moscow

Nach einer Untersuchung der Journalistin Anastasia Kashevarova

Millionenschwere Zahlungen, Prämien und Vergünstigungen für diejenigen, die einen Vertrag mit dem russischen Verteidigungsministerium unterzeichnen, locken nicht nur Freiwillige an, die bereit sind, im Rahmen der „Sonderoperation“ oder des sogenannten „Afrika-Korps“ zu kämpfen, sondern auch organisierte Betrüger aus ganz Russland und den GUS-Staaten.

Wie die Journalistin Anastasia Kashevarova berichtet, haben sich in vielen Regionen rund um die Wehrkreiskommandos und Rekrutierungsstellen ganze Netzwerke gebildet – Schattenstrukturen, die mit Menschen handeln, die für die Front bestimmt sind. Diese sogenannten „schwarzen Rekrutierer“ agieren systematisch: Sie verfügen über Kontakte in Behörden, Wehrämtern und Strafverfolgungsorganen. Mit Hilfe dieser Verbindungen fälschen sie Dokumente, schleusen Rekruten durch medizinische Kommissionen und kontrollieren die Auszahlung von Geldern – und verwandeln so Soldatenverträge und staatliche Beihilfen in eine Quelle illegaler Bereicherung.

Wie die Systeme funktionieren: drei typische Formen der Ausbeutung

Schema 1 – „Hilfe“ nach einer abgelehnten Musterung
Ein Bewerber wird bei der medizinischen Untersuchung abgelehnt. Am Ausgang sprechen ihn „schwarze Rekrutierer“ an und versprechen, die notwendigen Unterlagen zu „organisieren“ und die medizinische Kommission zu umgehen – dank ihrer Kontakte. Dafür nehmen sie seine Dokumente und Bankkarte „zur Abwicklung“. Von da an kontrollieren sie alle seine Zahlungen – und arrangieren manchmal sogar eine Scheinehe mit einer sogenannten „schwarzen Witwe“, um Zugang zu den Entschädigungen zu erhalten.

Schema 2 – Zielgruppe: gesellschaftlich Schwache
Alkoholabhängige, Drogenkranke und Menschen mit Vorstrafen sind die leichteste Beute. Sie werden festgenommen, eingeschüchtert, getäuscht und gezwungen, Verträge in einem Zustand geistiger Verwirrung zu unterschreiben. Die Drohung mit Gefängnis und Unkenntnis ihrer Rechte machen sie völlig wehrlos. Ihre Karten und Papiere werden sofort beschlagnahmt, sodass die Betrüger die vollständige Kontrolle über ihre Finanzen erhalten.

Schema 3 – Falsche Versprechen „elitärer“ Einheiten
Rekrutierer locken Bewerber mit Versprechungen auf „Eliteeinheiten“ wie Wagner, das Afrika-Korps oder bekannte Kommandanten. Einige Kandidaten zahlen sogar Bestechungsgelder, um dorthin zu gelangen – nur um später in ganz anderen Einheiten und an anderen Frontabschnitten zu landen. Das ist eine Mischung aus Betrug und Zwangsarbeit: Menschen werden buchstäblich zu handelbaren Gütern, die zwischen Regionen und Einheiten weiterverkauft werden.

Zwischen regionaler und interner „Verkauf“ – Betrug auf höchster Ebene

Nach Angaben von Kashevarova hat sich der Handel mit Soldaten bereits auf regionale Verwaltungen und militärische Kommandostrukturen ausgeweitet.
So habe beispielsweise das Moskauer Gebiet Männer für bestimmte Einheiten am Saporischschja-Abschnitt angeworben, sie aber unterwegs an eine andere Region „verkauft“, woraufhin sie an die Donezker Front geschickt wurden.
Einige Einheiten, so die Journalistin, „tauschen Soldaten untereinander“ – der Soldatenmarkt folgt der Logik einer eigenen Logistik mit Preisen und Routen.

Ausmaß und Struktur: kein Einzelfall, sondern ein System

Das Vorhandensein solcher „mafiösen Gruppen“ in mehreren Regionen zeigt laut Kashevarova, dass es sich nicht um vereinzelte Betrügereien handelt, sondern um ein organisiertes, systematisches Netzwerk.
Die Arbeit ist klar aufgeteilt: Einige Mitglieder suchen Opfer, andere fälschen Dokumente, wieder andere verwalten Zahlungen oder liefern juristische Absicherung.
Der Zugang zu Bankkarten und Dokumenten der Opfer erleichtert die Umleitung staatlicher Zahlungen erheblich.

Wer ist gefährdet: die Schwächsten der Gesellschaft

Besonders gefährdet sind Arbeitslose, Suchtkranke und vorbestrafte Menschen.
Ihnen werden Geld, Unterkunft und schnelle Verträge versprochen – und dann werden sie erpresst und gezwungen. Verträge werden unter Drohungen und psychischem Druck unterschrieben; sobald sie unterschrieben sind, verlieren die Betroffenen jegliche Kontrolle über ihre Finanzen und Identität.

Finanzielle Ausbeutung: von Zahlungen zu Scheinehen

Kashevarova berichtet, dass hohe staatliche Auszahlungen und Zulagen zum Rohstoff für betrügerische Systeme geworden sind.
Rekrutierer erhalten Zugang zu Karten, schließen Scheinehen, leiten Zahlungen auf Strohmänner um und behalten den Großteil der Gelder für sich. Die Opfer bleiben mit Restbeträgen zurück – rechtlos, mittellos und entwürdigt.

Politischer Kontext und institutionelle Risiken

Das Rekrutierungssystem, so Kashevarova, ist fest in staatliche Strukturen eingebettet und wird auf föderaler Ebene beaufsichtigt. Offiziell ist Dmitri Medwedew der Kurator des Rekrutierungsprozesses.
Unter den Bedingungen der „Sonderoperation“ ist Transparenz kaum möglich – Korruptionsrisiken waren von Beginn an Teil des Systems.

Wie die Journalistin schreibt: „Der Handel mit Soldaten findet bereits unter korrupten Regionalbehörden und zwischen militärischen Einheiten statt. Das ist Betrug auf höchster Ebene.“

Folgen: eine geschwächte Armee und ein erschüttertes Vertrauen

Infolge dieser Praktiken erhält die Armee kranke, unvorbereitete und demoralisierte Kämpfer – was ihre Kampffähigkeit und Glaubwürdigkeit untergräbt.
Gleichzeitig verliert die Gesellschaft das Vertrauen in staatliche Institutionen: das Leben eines Menschen wird zur Handelsware.

Ein Fall für die Ermittler

Kashevarova bezeichnet die Situation als einen „Klondike für Ermittler“ – ein massives Netzwerk aus Betrug, Korruption und Menschenhandel, das umfassende, interregionale Untersuchungen erfordert.
Nur Transparenz, Kontrolle der Zahlungen und der Schutz der Schwächsten können verhindern, dass der Krieg weiterhin als Schattenmarkt für Ausbeutung dient.

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