Russland hat seine Öllieferungen auf die Weltmärkte beschleunigt, da die Preise stark gestiegen sind und Sanktionen vorübergehend gelockert wurden. Laut Bloomberg versucht Moskau, die Situation voll auszunutzen, die durch die faktische Schließung der Straße von Hormus und eine vorübergehende US-Ausnahmeregelung entstanden ist. Diese erlaubt es Käufern, russisches Rohöl zu erwerben, das vor dem 12. März verladen wurde, ohne Sanktionen befürchten zu müssen.
Die Kombination zweier Faktoren — steigende globale Ölpreise und die Ausweitung der US-Sanktionsausnahme — hat günstige Bedingungen für Russland geschaffen. Laut Bloomberg hat dieser doppelte Effekt es russischen Exporteuren ermöglicht, ihre Einnahmen deutlich zu steigern und die Beladung von Tankern zu beschleunigen.
Rekordpreise für russisches Öl
Der Anstieg der Käufe hat die Preise für russisches Rohöl auf wichtigen Märkten, insbesondere in Indien, nach oben getrieben. Laut Bloomberg erreichte der Preis der wichtigsten russischen Exportmischung, die an indische Raffinerien geliefert wird, ein Rekordniveau.
Dies führte wiederum zu höheren Einnahmen für den russischen Staatshaushalt. Der kombinierte Anstieg von Preisen und Exportvolumen sorgte für den größten wöchentlichen Einnahmesprung seit Beginn des Konflikts in der Ukraine.
Ein weiterer Faktor für den Anstieg der Lieferungen war die Wiederaufnahme des Betriebs am Ölterminal Sheskharis in Noworossijsk am Schwarzen Meer. Die Verladungen waren nach einem ukrainischen Drohnenangriff in der Nacht vom 1. auf den 2. März ausgesetzt worden. Nachdem der Terminalbetrieb wieder aufgenommen wurde, nahmen die Exportströme deutlich zu.
Deutlicher Anstieg der seegestützten Ölexporte
Nach von Bloomberg zusammengestellten Tankerverfolgungsdaten lag der durchschnittliche seegestützte Export russischen Rohöls in den vier Wochen bis zum 15. März bei etwa 3,44 Millionen Barrel pro Tag. Das sind rund 90.000 Barrel pro Tag mehr als in der Woche zuvor, liegt jedoch weiterhin etwa 400.000 Barrel pro Tag unter dem Niveau vor Weihnachten.
Besonders auffällig war der Anstieg innerhalb einer Woche. In der Woche bis zum 15. März wurden insgesamt 37 Tanker mit 27,79 Millionen Barrel russischem Rohöl beladen. In der Woche zuvor waren es 20,18 Millionen Barrel auf 27 Schiffen gewesen.
Auf täglicher Basis stiegen die Lieferungen auf 3,97 Millionen Barrel pro Tag — etwa 1,1 Millionen Barrel pro Tag mehr als in der Vorwoche und der höchste Stand seit rund drei Monaten.
Sanktionspause und veränderte Routen
Eine wichtige Rolle bei der Belebung des Handels spielte die vorübergehende Lockerung der Sanktionen für indische Raffinerien. Laut Bloomberg führte diese Entscheidung dazu, dass mehrere Tanker ihre Routen änderten.
Einige Schiffe, die in Richtung der Straße von Malakka unterwegs waren, drehten um und steuerten wieder indische Häfen an. Andere Tanker, die das Rote Meer verließen, fuhren direkt zu Raffinerien an der Westküste Indiens.
Diese Veränderungen tragen dazu bei, den Rückstau von Tankern mit russischem Rohöl abzubauen, der sich in den vergangenen Monaten gebildet hatte. Seit Mitte Dezember befanden sich etwa 140 Millionen Barrel Öl auf Schiffen ohne endgültiges Ziel — rund 60 Millionen Barrel mehr als Ende August.
Stark steigende Exporterlöse
Mit steigenden Lieferungen und höheren Preisen nahm auch der Wert der russischen Exporte deutlich zu.
Nach Schätzungen von Bloomberg stieg der durchschnittliche wöchentliche Wert der russischen Exporte in den vier Wochen bis zum 15. März auf etwa 1,38 Milliarden Dollar, verglichen mit rund 1,16 Milliarden Dollar in der Woche zuvor. Das ist der höchste Stand seit Oktober.
Auch die Preise für Russlands wichtigste Exportmischung Urals sind deutlich gestiegen. Laut Daten von Argus Media erhöhte sich der Preis für Urals aus baltischen Häfen auf etwa 51,96 Dollar pro Barrel, während Ladungen aus dem Schwarzen Meer rund 50,32 Dollar erreichten.
Der Preis für ESPO-Rohöl aus Pazifikhäfen stieg noch stärker und lag durchschnittlich bei 64,41 Dollar pro Barrel. Auch die Lieferpreise nach Indien erhöhten sich und erreichten etwa 70,23 Dollar pro Barrel.
Insgesamt stiegen Russlands wöchentliche Exporterlöse in der Woche bis zum 15. März auf rund 2,07 Milliarden Dollar — etwa 890 Millionen Dollar mehr als in der Woche zuvor.
Wichtigste Exportziele
Asien bleibt das wichtigste Ziel für russische Rohölexporte. Laut Bloomberg beliefen sich die gesamten Lieferungen an asiatische Abnehmer — einschließlich Ladungen ohne angegebenes endgültiges Ziel — auf etwa 3,17 Millionen Barrel pro Tag.
Viele Tanker geben weiterhin keinen endgültigen Zielhafen an. Immer häufiger werden Zwischenziele wie der Suezkanal oder Port Sudan angegeben, während das endgültige Ziel oft erst klar wird, wenn die Schiffe das Arabische Meer überqueren.
Den Tracking-Daten zufolge lagen die Lieferungen nach China im Durchschnitt bei etwa 960.000 Barrel pro Tag, während die Lieferungen nach Indien rund 480.000 Barrel pro Tag betrugen. Analysten weisen jedoch darauf hin, dass sich diese Zahlen ändern können, da einige Tanker ihre Routen bereits auf See anpassen.
Besondere Routen und schwer nachvollziehbare Lieferungen
Ein weiteres Ziel für russische Öllieferungen ist Syrien. In den vergangenen vier Wochen lagen die Lieferungen dorthin im Durchschnitt bei etwa 90.000 Barrel pro Tag.
Laut Bloomberg ist die genaue Einschätzung dieser Ströme schwierig, da Tanker auf dem Weg zum syrischen Hafen Baniyas häufig ihre automatischen Ortungssysteme abschalten, nachdem sie südlich von Kreta passiert haben. Daher werden die tatsächlichen Mengen meist erst bekannt, wenn die Schiffe ankommen und auf Satellitenbildern identifiziert werden.
Am Ende der Woche lagen laut Satellitendaten zwei russische Tanker vor Baniyas vor Anker.
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