Die globalen Lieferwege für russisches Öl werden angesichts veränderter Nachfrage und politischer Entscheidungen erneut neu geordnet. Laut Bloomberg werden Tanker, die ursprünglich nach China unterwegs waren, zunehmend nach Indien umgeleitet, wo Raffinerien ihre Käufe russischen Rohöls ausweiten.
Ein Beispiel dafür ist der Tanker Aqua Titan, der ursprünglich den chinesischen Hafen Rizhao anlaufen sollte, im Südchinesischen Meer jedoch kehrtmachte und nun nach New Mangalore in Indien unterwegs ist. Das Schiff transportiert Urals-Rohöl, das Ende Januar in einem Ostseehafen verladen wurde. Analysten zufolge erfolgte die Kursänderung kurz nachdem die Vereinigten Staaten signalisiert hatten, dass Indien seine Importe russischen Öls vorübergehend erhöhen könne.
Indien steigert Importe unter energiewirtschaftlichem Druck
Nach Angaben von Bloomberg haben indische Raffinerien kurz nach dieser Entscheidung rund 30 Millionen Barrel russisches Öl erworben. Dieser Schritt dient dazu, Lieferausfälle aus dem Nahen Osten zu kompensieren, die durch den Konflikt mit Iran und Störungen rund um die Straße von Hormus verursacht wurden.
Der starke Anstieg der Nachfrage aus Indien ist zu einem entscheidenden Faktor für die Umverteilung der Lieferströme geworden. Russisches Öl, das zuvor überwiegend nach China ging, wird nun zunehmend auf den indischen Markt umgeleitet, wo Raffinerien von Preisvorteilen profitieren wollen.
China verliert seine Rolle als „Käufer letzter Instanz“
In den vergangenen Monaten hatte China als wichtigster Abnehmer russischen Öls fungiert, nachdem Indien seine Käufe reduziert hatte. Doch laut Analysten verändert sich die Lage. Die Rückkehr weiterer Käufer, darunter auch asiatische Staaten, schafft neue Spielräume für eine flexiblere Verteilung der Lieferungen.
Nach Angaben von Vortexa Ltd. haben mindestens sieben Tanker ihre Zielhäfen während der Fahrt geändert und ihre Ladungen von China nach Indien umgeleitet. Gleichzeitig sind alle großen indischen Raffinerien wieder aktiv auf dem Markt für russisches Rohöl.
Neue Routen und wachsender Wettbewerb um Ressourcen
Einzelne Fälle verdeutlichen das Ausmaß dieser Veränderungen. Der Tanker Zouzou N., der CPC Blend transportiert, hat ebenfalls seinen Kurs geändert und die Lieferung nach China aufgegeben, um stattdessen den indischen Hafen Sikka anzusteuern. Das Schiff lief aus Noworossijsk aus, erreichte Gewässer vor China und kehrte dann um, um nach Indien weiterzufahren.
Nach Einschätzung von Bloomberg spiegeln solche Entscheidungen den zunehmenden Wettbewerb um den Zugang zu russischen Energieressourcen wider. Da auch Länder wie Japan und Südkorea wieder auf den Markt zurückkehren, dürfte der Preisdruck nach oben weiter zunehmen.
Marktausblick: steigende Preise und neue Handelsgeografie
Die Umverteilung der Ölströme formt eine neue Geografie des globalen Energiehandels. Indien stärkt seine Position als wichtiger Abnehmer, während China mit wachsender Konkurrenz um Lieferungen konfrontiert ist.
Analysten zufolge wird die weitere Entwicklung von politischen Entscheidungen und dem Verlauf des Konflikts im Nahen Osten abhängen. Schon jetzt ist jedoch erkennbar, dass der Markt flexibler wird und die Lieferwege weniger vorhersehbar sind.
In diesem Umfeld passt sich Russland weiter an, indem es seine Exporte in die wirtschaftlich attraktivsten Richtungen lenkt und vom sich verändernden Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage profitiert.
Dieser Artikel wurde auf Grundlage von bei Bloomberg veröffentlichten Informationen erstellt. Der vorliegende Text stellt eine eigenständige Bearbeitung und Interpretation dar und erhebt keinen Anspruch auf die Urheberschaft der ursprünglichen Inhalte.
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