Europäische Spitzenpolitiker warnen: Ein solcher Schritt würde die Grundlagen der NATO untergraben
Die Regierung von President Donald Trump hat deutlich gemacht, dass die Frage Grönlands längst nicht mehr nur ein Thema abstrakter Diplomatie ist. Am Dienstag bestätigte das Weiße Haus, dass Washington aktiv eine Vielzahl von Szenarien prüft, um die Kontrolle über die größte Insel der Welt zu erlangen — einschließlich des Einsatzes militärischer Gewalt, falls dies als notwendig erachtet wird.
Die Erklärung erfolgte nur wenige Stunden, nachdem führende europäische Regierungen öffentlich Geschlossenheit gegen jeden Versuch der USA demonstriert hatten, den Status Grönlands zu verändern. Die Insel ist ein autonomes Gebiet von Denmark, einem langjährigen Verbündeten innerhalb der NATO.
Eine „nationale Sicherheitspriorität“ in der Arktis
Die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, betonte, dass der Präsident den Erwerb Grönlands als einen zentralen Bestandteil der nationalen Sicherheitsstrategie der USA betrachte. Die Kontrolle über die Insel sei entscheidend, um potenzielle Gegner in der zunehmend militarisierten Arktisregion abzuschrecken.
„Der Präsident und sein Team diskutieren eine breite Palette von Optionen, um dieses wichtige außenpolitische Ziel zu verfolgen. Der Einsatz des US-Militärs steht dem Oberbefehlshaber dabei stets zur Verfügung“, heißt es in der Erklärung.
In Washington wird die Arktis zunehmend als strategischer Schlüsselraum gesehen, nicht zuletzt wegen der wachsenden Aktivitäten Russlands und Chinas in der Region.
Von Venezuela bis Grönland: eine umfassendere Botschaft
Die verschärfte Rhetorik in Bezug auf Grönland folgt auf eine jüngste Operation amerikanischer Spezialkräfte, durch die der frühere venezolanische Staatschef Nicolás Maduro entmachtet wurde. Seitdem hat Trump wiederholt erklärt, die Vereinigten Staaten hätten das Recht, entschlossen zu handeln, um ihre sicherheits- und wirtschaftspolitischen Interessen in der westlichen Hemisphäre zu schützen.
In diesem Zusammenhang richtete Washington bereits deutliche Warnungen an Kolumbien, Kuba und Mexiko — doch es ist Grönland, das in Europa besondere Unruhe ausgelöst hat.
Alarm in Skandinavien und in ganz Europa
Die Diskussion über ein mögliches militärisches Vorgehen hat in Skandinavien und weit darüber hinaus tiefe Besorgnis ausgelöst. In den europäischen Hauptstädten wächst die Sorge, ein solcher Schritt könne eine beispiellose Krise der transatlantischen Beziehungen auslösen — zu einem Zeitpunkt, an dem Europa ohnehin bemüht ist, seine Verteidigungsfähigkeit angesichts des Drucks aus Russland rasch zu stärken.
Eine US-Invasion Grönlands würde einen direkten Verstoß gegen Artikel 5 des NATO-Vertrags darstellen, dem zufolge ein Angriff auf ein Mitglied als Angriff auf alle gilt. Europäische Diplomaten warnen, dass eine Verletzung der dänischen Souveränität durch die Vereinigten Staaten faktisch das Ende des Bündnisses in seiner bisherigen Form bedeuten würde — eines Bündnisses, das seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs das Fundament der transatlantischen Sicherheit bildet.
Dänemark offen für Zusammenarbeit — aber nicht für eine Übernahme
Kopenhagen hatte zuvor signalisiert, grundsätzlich offen für eine Ausweitung der US-Militärpräsenz auf der Insel zu sein. Die dänische Regierung verstand dies jedoch als vertiefte sicherheitspolitische Kooperation, nicht als Aufgabe der eigenen Souveränität.
Trump hingegen scheint an Teilarrangements wenig interessiert zu sein. Seine öffentlichen Äußerungen deuten darauf hin, dass aus seiner Sicht alles unterhalb einer vollständigen Kontrolle durch die USA nicht ausreicht.
Gemeinsame europäische Antwort: Sicherheit nur kollektiv
Bereits am Dienstag hatten die Staats- und Regierungschefs Dänemarks, Großbritanniens, Frankreichs, Deutschlands, Italiens, Spaniens und Polens eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht. Darin betonten sie, dass Sicherheit in der Arktis nur kollektiv gewährleistet werden könne — im Rahmen der NATO und in voller Übereinstimmung mit der Charta der Vereinten Nationen, einschließlich der Achtung von Souveränität, territorialer Integrität und der Unverletzlichkeit von Grenzen.
Wie Washingtons Strategie interpretiert wird
Nach Einschätzung von Politico spiegelt der harte Kurs des Weißen Hauses Trumps Entschlossenheit wider, notfalls auch unilateral zu handeln, wenn aus seiner Sicht zentrale strategische Interessen der USA auf dem Spiel stehen. Das Medium weist darauf hin, dass Grönland zu einem der gravierendsten Konfliktpunkte in den Beziehungen zwischen den USA und Europa seit Jahrzehnten werden könnte.
Analysten warnen, dass selbst dann, wenn ein militärisches Szenario letztlich nicht umgesetzt wird, bereits die offene Diskussion darüber das Vertrauen innerhalb der NATO untergräbt und das Gefühl von Instabilität im transatlantischen Raum weiter verstärkt.
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