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Wie viel könnte Iran mit der Kontrolle der Straße von Hormus verdienen?

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Hunderte von Tankern
Hunderte von Tankern und anderen Schiffen sind seit Beginn des US-israelischen Krieges gegen den Iran am 28. Februar 2026 im Golf gestrandet (Al Jazeera).

Iran hat de facto Transitgebühren für Öllieferungen durch die Straße von Hormus eingeführt und verlangt bis zu 2 Millionen US-Dollar pro Very Large Crude Carrier (VLCC). Während diese Zahl auf den ersten Blick hoch erscheint, ist die wirtschaftliche Realität differenzierter.

Ein Standard-VLCC transportiert etwa 2 Millionen Barrel Rohöl, sodass die Gebühr rund 1 US-Dollar pro Barrel entspricht. In einem globalen Markt, in dem die Ölpreise seit Beginn des Konflikts um 35 bis 40 US-Dollar geschwankt haben, entspricht ein Aufschlag von 0,05 bis 0,40 US-Dollar pro Barrel nahezu statistischem Rauschen.

Für die Exporteure am Persischen Golf ist die Belastung jedoch spürbarer. Bei Exporten von rund 20,4 Millionen Barrel pro Tag könnten die jährlichen Zahlungen an Teheran laut Schätzungen von Bruegel zwischen 6 und 14 Milliarden US-Dollar liegen.

Die Hauptlast dürfte auf Produzenten wie Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Kuwait fallen, die voraussichtlich 80 bis 95 Prozent der Gebühren übernehmen müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Für die Golfmonarchien bleibt das wirtschaftlich sinnvoll: Die Förderkosten können in der Region bei nur etwa 10 US-Dollar pro Barrel liegen, sodass es profitabler ist, die „Hormus-Gebühr“ zu zahlen und Öl für 80 US-Dollar zu verkaufen, als die Produktion infolge des Konflikts stillstehen zu lassen.

Aus globaler Sicht könnte der Mechanismus sogar als preisstabilisierend wirken. Die Rückkehr von Liefermengen, die etwa 20 Prozent des weltweiten Angebots ausmachen, würde die Preise wirksamer stabilisieren als verbale Interventionen der OPEC+.

Die eigentliche Problematik liegt jedoch beim Empfänger der Zahlungen. Sollten die Einnahmen direkt an die Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) fließen, bewegen sich diese Transaktionen in einer rechtlichen Grauzone. Die IRGC unterliegen strengen Sanktionen der USA und der EU, sodass jede Zahlung westliche Reeder rechtlichen Risiken aussetzen könnte.

Damit stellt sich ein weiteres Problem: die Versicherbarkeit. Schutz- und Haftpflichtversicherer (P&I-Clubs) dürften kaum bereit sein, Schiffe zu decken, die faktisch eine sanktionierte Organisation finanzieren. Dies könnte den Verkehr durch die Straße von Hormus zunehmend auf eine „Schattenflotte“ verlagern und die Umwelt- und Betriebsrisiken erhöhen.

Aus rein ökonomischer Sicht könnte eine Gebühr von 1 bis 2 US-Dollar pro Barrel ein akzeptabler Preis sein, um eine größere Eskalation im Golf zu vermeiden. Für Verbraucher dürfte sich dies kaum an der Zapfsäule bemerkbar machen.

Teheran beziffert die Schäden durch US- und israelische Angriffe auf rund 270 Milliarden US-Dollar. Bei den aktuellen Transitgebühren würde es zwischen 17 und 45 Jahren dauern, diese Verluste allein über Einnahmen aus der Straße von Hormus auszugleichen. Alternativ könnten die Golfstaaten mit geschätzten Reserven von rund 8 Billionen US-Dollar diese Kosten theoretisch deutlich schneller tragen.

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