Diplomatische Signale deuten auf wachsende Distanz hin
Die Beziehungen zwischen Russland und China haben sich in den vergangenen Monaten spürbar abgekühlt, obwohl beide Seiten ihre strategische Partnerschaft öffentlich weiterhin betonen.
Präsident Wladimir Putin hat häufig mit Staats- und Regierungschefs im Nahen Osten telefoniert. Sein letztes Gespräch mit Chinas Staatschef Xi Jinping liegt jedoch bereits auf Anfang Februar zurück, als das Mondneujahr gefeiert wurde. Persönlich trafen sich die beiden zuletzt im September 2025 bei einer Militärparade in Peking zum 80. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs.
Die Reise von Außenminister Sergej Lawrow nach Peking sollte den Boden für einen möglichen Besuch Putins in China bereiten und die Position des Kremls zu einer Reihe wichtiger Fragen klären, darunter Iran, Kuba, der Krieg in der Ukraine, die Rolle der Vereinten Nationen, internationale Organisationen, Afrika und Zentralasien. Ein Termin für einen möglichen Putin-Besuch in Peking in der ersten Jahreshälfte ist jedoch bis heute nicht bestätigt.
China ist derzeit vor allem mit den Vorbereitungen für einen Besuch Trumps beschäftigt und mit dem Aufbau einer neuen Architektur der Beziehungen zu Washington. Russland scheint vorerst an den Rand gedrängt zu sein, während Xi sich darauf konzentriert, seine Macht im eigenen Land zu sichern.
Peking will die Partnerschaft auf ein „neues Niveau“ heben
Wie üblich wurde der Inhalt von Lawrows Gesprächen mit der chinesischen Führung in denkbar vagen Formulierungen wiedergegeben. Von den wenigen Signalen, die nach außen drangen, stach eines besonders hervor: Peking besteht darauf, die Partnerschaft auf ein „neues Niveau“ zu heben. Lawrow wiederum vermied es, zu präzisieren, was genau damit gemeint ist.
Vieles spricht dafür, dass es um eine Umgestaltung der Beziehungen geht, bei der Russlands wachsende Abhängigkeit von China als formal gleichberechtigte Partnerschaft dargestellt werden soll. In Peking dürfte man Russlands wirtschaftliche Probleme realistisch einschätzen, trotz der Versuche des Kremls, ihr Ausmaß herunterzuspielen. Nachdem das Handelsvolumen 2025 zurückgegangen war, legten die chinesischen Exporte nach Russland wieder zu und stiegen in den ersten beiden Monaten des Jahres um fast 20 Prozent. Die Investitionen bleiben jedoch gering und tragen kaum dazu bei, die strukturellen Probleme der russischen Wirtschaft zu lösen.
Russische Analysten weisen zunehmend darauf hin, dass Chinas Vorstellung von seiner Rolle in der Welt deutlich von Moskaus Anspruch auf Großmachtstatus abweicht — und dass sich diese Kluft weiter vergrößert.
Der Konflikt im Persischen Golf hat das Ungleichgewicht offengelegt
Besonders sichtbar wird diese Divergenz im Konflikt im Persischen Golf. Moskaus Versuche, Einfluss auf die Entwicklung zu nehmen, haben sich als wirkungslos erwiesen, während Chinas Position von den beteiligten Akteuren als deutlich gewichtiger wahrgenommen wird. Beobachtern zufolge nutzt Peking seine Beziehungen zu Pakistan, um die Vermittlung zwischen Iran und den USA zu beobachten und indirekt zu beeinflussen, ohne sich dabei direkt einzumischen.
Eine hypothetische Unterbrechung der Öllieferungen aus den Golfstaaten hätte Russland in die Hände spielen können. Doch ukrainische Angriffe auf die Ölinfrastruktur im Baltikum und im Schwarzen Meer haben Russlands Verlässlichkeit als Exporteur untergraben. Die Verlängerung einer teilweisen Lockerung amerikanischer Sanktionen wirkt aus Moskauer Sicht kurzfristig positiv. Eine Öffnung der Straße von Hormus dürfte jedoch die Ölpreise senken und weiteres Einnahmenwachstum begrenzen.
Ungarn ist eines der wenigen Felder mit Überschneidungen
Ein seltener Fall, in dem sich russische, chinesische und amerikanische Interessen teilweise überschnitten haben, ist die Wahl in Ungarn. Trotz der formalen Neutralität Pekings war dessen Präferenz offenbar schon vor der Abstimmung erkennbar. Russische Kommentatoren reagierten auf die Niederlage Viktor Orbans, der lange als enger Partner des Kremls galt, zurückhaltend, räumten jedoch die Tragweite der Folgen ein.
China scheint seinerseits entschlossen zu sein, die strategische Partnerschaft mit Ungarn zu bewahren, die nach Xis Besuch in Budapest im Jahr 2024 aufgebaut wurde. Die neue Regierung verfolgt einen pragmatischen Kurs, doch ihre erwartete Annäherung an die Europäische Union dürfte Russlands Position schwächen.
Moskau könnte am Ende kaum mehr als eine Botschaft erhalten
Unter diesen Bedingungen gehört die Ausweitung chinesischer Lieferungen von Komponenten und Technologien zu den wenigen Hoffnungen, die Moskau noch bleiben. Ob Peking zu einem solchen Schritt bereit ist, bleibt jedoch offen.
China hat allem Anschein nach kein Interesse daran, Moskau übermäßig zu stärken. Im Gegenteil: Russlands lang anhaltende Konfrontation mit Europa entspricht Pekings Interessen in gewissem Maße.
Damit sinkt der Wert Russlands als Partner für China. Ein bevorstehender Besuch Putins, falls er überhaupt zustande kommt, dürfte Moskau kaum nennenswerte wirtschaftliche oder strategische Unterstützung bringen. Wahrscheinlicher ist, dass der Kreml ein Signal erhält, dass der Krieg beendet werden muss — nicht durch ein formelles Abkommen, sondern durch die Anerkennung der Realität der Erschöpfung.


