Russland baut sein System zum Schutz vor ukrainischen Drohnen aus und bindet nun nicht nur Militär- und Sicherheitsstrukturen ein, sondern auch zentrale Finanzinstitutionen. Laut Reuters hat Russland ein Gesetz verabschiedet, das der Zentralbank, der Sberbank und anderen Finanzorganisationen erlaubt, eigenständig Anti-Drohnen-Systeme zu betreiben und Mitarbeiter zu bewaffnen, um Einrichtungen ohne zwingende Beteiligung von Spezialeinheiten zu schützen.
Die neue Maßnahme zeigt, wie tief der Krieg die innere Sicherheitsstruktur Russlands verändert hat. Früher galt der Schutz vor Bedrohungen aus der Luft vor allem als Aufgabe der Armee, der Nationalgarde oder spezieller Einheiten. Nun wird ein Teil dieser Verantwortung auf die Institutionen selbst übertragen. Finanzorganisationen sollen Systeme zur Erkennung und Abwehr von Drohnen in der Nähe ihrer Einrichtungen stationieren und die Kosten für Installation und Wartung selbst tragen.
Laut Reuters sollen solche Systeme in der Nähe von Gebäuden der russischen Zentralbank, der größten Bank des Landes, der Sberbank, sowie der Russischen Vereinigung für Geldtransport und Inkasso eingerichtet werden. Mitarbeitern dieser Institutionen soll es erlaubt werden, Waffen zu tragen, um mögliche Angriffe abzuwehren.
Anatoli Aksakow, Vorsitzender des Finanzmarktausschusses der russischen Staatsduma, wurde von RBC mit den Worten zitiert, dass die Finanzinstitutionen die Kosten für den Anti-Drohnen-Schutz selbst übernehmen müssten. Damit schafft der Staat faktisch ein neues Sicherheitsmodell, bei dem strategisch wichtige zivile und finanzielle Einrichtungen teilweise selbst für ihren Schutz verantwortlich werden.
Seit Moskaus großangelegter Invasion im Februar 2022 greift die Ukraine regelmäßig Ziele auf russischem Gebiet mit Drohnen an. Besonders häufig ist dabei Energieinfrastruktur betroffen. Kiew versucht, Russlands Einnahmen aus Energieexporten zu verringern und den Druck auf eine Wirtschaft zu erhöhen, die weiterhin den Krieg finanziert.
Vor diesem Hintergrund wird auch die russische Wirtschaft immer stärker in das Verteidigungssystem des Landes einbezogen. Am Dienstag sagte Alexander Schochin, der Chef des einflussreichsten russischen Unternehmerverbands, Präsident Wladimir Putin, dass Unternehmen bereit seien, den Kauf schwererer Waffen und elektronischer Systeme zur Verteidigung ihrer Infrastruktur gegen Drohnenangriffe zu finanzieren.
Im Kern deutet dies auf eine schrittweise Militarisierung der zivilen Wirtschaft hin. Große Banken, Industrieunternehmen und Infrastrukturbetreiber werden zunehmend nicht nur zu geschützten Objekten, sondern selbst zu Teilnehmern des Verteidigungssystems. Für Russland ist dies eine erzwungene Reaktion auf die neue Realität des Krieges, in der Drohnen Ziele weit hinter der Front treffen und Einrichtungen bedrohen können, die früher als sicher im Hinterland galten.
Die Entscheidung, der Zentralbank und der Sberbank eine eigene Anti-Drohnen-Abwehr zu erlauben, zeigt außerdem, dass die Behörden das Finanzsystem als potenzielles Ziel betrachten. Angriffe auf Banken, Geldtransporte oder Zahlungsinfrastruktur könnten nicht nur physische, sondern auch psychologische Folgen haben und das Gefühl der Verwundbarkeit im Land verstärken.
Gleichzeitig wirft das neue Gesetz zusätzliche Fragen auf. Die Bewaffnung von Mitarbeitern ziviler Finanzinstitutionen und die Übertragung von Aufgaben im Bereich der Drohnenabwehr schaffen eine für den Bankensektor ungewöhnliche Situation. Funktionen, die normalerweise zur staatlichen Sicherheit gehören, werden damit faktisch an große Institutionen und Unternehmen delegiert.
Für Moskau ist dies eine Möglichkeit, den Schutz zu verstärken, ohne ständig Spezialeinheiten einzusetzen. Für die Unternehmen bedeutet es zusätzliche Kosten und einen neuen Verantwortungsbereich. Für die russische Wirtschaft insgesamt ist es ein weiteres Zeichen dafür, dass der Krieg immer tiefer in das zivile Leben eindringt und selbst für Branchen, die nicht direkt mit der Front verbunden sind, die Spielregeln verändert.


