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Ölpreis kehrt auf Vorkriegsniveau zurück, während der Markt auf wiederhergestellte Lieferungen aus dem Golf setzt

3 Min. Lesezeit
в Персидском заливе
Конфликт на Ближнем Востоке запер в Персидском заливе более миллиарда баррелей нефти © Ким Су-хён/Reuters via The Financial Times

Die Preise für Brent-Rohöl sind unter das Niveau gefallen, auf dem sie vor Beginn des Krieges um Iran lagen. Nach Einschätzung der Financial Times gehen Marktteilnehmer zunehmend davon aus, dass die akute Phase der Krise vorbei ist und sich die Lieferungen aus dem Persischen Golf schrittweise normalisieren.

Am Donnerstag fiel die internationale Referenzsorte Brent um rund 1,8 Prozent auf etwa 72,40 Dollar je Barrel. Damit lag der Preis unter der Marke von 72,48 Dollar, die Ende Februar — am Vorabend der amerikanischen und israelischen Angriffe auf Iran — verzeichnet worden war. Für den Ölmarkt war dies ein wichtiges psychologisches Signal: Händler preisten das unmittelbare Risiko einer erneuten Lieferunterbrechung nicht mehr ein.

Auch die Preisstruktur spiegelt die Stimmung am Markt wider. Öl zur Lieferung später im Jahr wurde teurer gehandelt als kurzfristige Kontrakte. Ein solches Muster deutet gewöhnlich darauf hin, dass es kurzfristig ausreichend Rohöl auf dem Markt gibt — oder sogar zu viel. Nach Wochen der Anspannung werteten Händler die erneute Bewegung von Tankern aus dem Golf als Zeichen dafür, dass frühere Logistikrouten wiederhergestellt werden.

Nach Daten des Schiffsverfolgungsdienstes Windward verließen am Mittwoch 31 Tanker die Region — fast 50 Prozent mehr als am Vortag. Dies verstärkte den Eindruck, dass die angesammelten Ölmengen, die wegen des Konflikts und der Einschränkungen in der Straße von Hormus lange blockiert gewesen waren, nun endlich auf den Weltmarkt gelangen. Zuvor waren nach Schätzungen aus der Branche mehr als eine Milliarde Barrel Öl faktisch im Golf eingeschlossen gewesen, während einige Produzenten gezwungen waren, die Förderung zu kürzen oder Exporte zu stoppen.

Experten warnen jedoch, dass der aktuelle Preisrückgang irreführend sein könnte. Francis Osborne von Argus Media ist der Ansicht, dass Händler derzeit eine „Rückkehr zur Normalität“ einpreisen, dabei aber die Risiken, die langfristig bestehen bleiben, nicht ausreichend berücksichtigen. Aus seiner Sicht ist die Gefahr neuer Komplikationen nicht verschwunden, auch wenn der Verkaufsdruck am Markt derzeit so stark ist, dass es riskant wäre, sich ihm entgegenzustellen.

Besonders besorgniserregend ist der Zustand der weltweiten Lagerbestände. Während des Konflikts griffen Länder aktiv auf Reserven zurück, um Lieferausfälle aus dem Golf auszugleichen. Amrita Sen, Gründerin von Energy Aspects, weist darauf hin, dass die Vorräte deutlich abgebaut wurden und sich nun auf einem äußerst anfälligen Niveau befinden. Der Markt habe sich jedoch entschieden, diesen Faktor weitgehend zu ignorieren, in der Annahme, dass die Krise nicht unbegrenzt andauern könne.

Sen glaubt, dass der derzeitige Ausverkauf am Ölmarkt nicht zwangsläufig bedeutet, dass die Preise dauerhaft niedrig bleiben werden. Ihrer Einschätzung nach könnte die neue Untergrenze für Brent im Bereich von 80 bis 90 Dollar je Barrel liegen. Sie hält es für möglich, dass die Preise in etwa einem Monat wieder steigen, sobald das auf Tankern in der Region angesammelte Öl abtransportiert ist und der vorübergehende Angebotsüberschuss verschwindet.

Die kurzfristige Marktstimmung wurde auch durch Erklärungen der Regierung von Präsident Donald Trump beeinflusst. Washington erklärt, dass wieder erhebliche Ölmengen durch die Straße von Hormus transportiert werden. US-Energieminister Chris Wright sagte, dass innerhalb von 24 Stunden rund 20 Millionen Barrel Rohöl auf 72 Schiffen die Meerenge verlassen hätten — fast ein Fünftel des weltweiten Tagesverbrauchs. Ein weiterer Faktor war die vorübergehende Aufhebung der US-Sanktionen gegen iranisches Öl für 60 Tage, was die Erwartungen eines höheren Angebots zusätzlich verstärkte.

Analysten betonen jedoch, dass der starke Anstieg der Exporte aus dem Golf nicht als vollständige Erholung des Marktes verstanden werden sollte. Paul Horsnell, unabhängiger Analyst und Vorsitzender des Vorstands des Oxford Institute for Energy Studies, ist der Ansicht, dass die aktuellen Mengen vor allem die Freigabe zuvor angesammelter Ladungen widerspiegeln — und nicht einen stabilen Anstieg der Produktion. Seiner Einschätzung nach benötigen Ölfelder Zeit für den Neustart, während Tanker ebenfalls Zeit brauchen, um zu normalen Routen zurückzukehren.

Mit anderen Worten: Der Markt könnte in den kommenden Wochen mit einem vorübergehenden Ölüberschuss konfrontiert sein. Danach könnte das Gleichgewicht jedoch wieder angespannter werden. Horsnell geht davon aus, dass sich Angebot und Nachfrage erst bis Oktober wieder annähern könnten — vorausgesetzt, der Friedensprozess scheitert nicht und es kommt zu keinen neuen Störungen in der Region.

Der Ölmarkt befindet sich damit vorerst in einer paradoxen Lage. Die Preise fallen, weil die Lieferungen wieder anlaufen, doch die grundlegenden Risiken bleiben hoch: Die Lagerbestände sind erschöpft, die Produktion kann sich nicht sofort erholen, und die Straße von Hormus bleibt einer der verwundbarsten Punkte des globalen Energiesystems. Die Rückkehr von Brent auf Vorkriegsniveau könnte daher nicht der Beginn einer langen Phase billigen Öls sein, sondern lediglich eine kurze Atempause nach einer akuten Krise.


Dieser Artikel wurde auf Grundlage von bei The Financial Times veröffentlichten Informationen erstellt. Der vorliegende Text stellt eine eigenständige Bearbeitung und Interpretation dar und erhebt keinen Anspruch auf die Urheberschaft der ursprünglichen Inhalte.

Das Originalmaterial ist unter folgendem Link einsehbar: The Financial Times.
Alle Rechte an den ursprünglichen Texten liegen bei The Financial Times.

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